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In Sachen Liebe

Blogged in Medien by Gahi Donnerstag Juni 2, 2005

Meine Laune war eben sowieso schon nicht so besonders. Den ganzen Tag hab ich meinen Hunger mit Tic Tacs und ein paar Keksen niedergekämpft. Nach dem Kurs sollte was vernünftiges rein.
Vernünftig. Billig. Kartoffeln und Möhren. Am schnellsten am besten als Suppe. Also geschnippelt, nebenbei noch nen halben Nervenzusammenbruch gekriegt, weil online mal wieder Jeder alles wollte und es zum Überfluß noch Mekkareien und Entscheidungen zu treffen gab.
Meine Idee: Als Beruhigung ein seichtes Fernseh-Nebenher-Kochen-Programm. Der Server von tv-movie.de war ausnahmsweise mal nicht down und spuckte mir einen Film namens in Sachen Liebe aus.
Kotzen wär besser gewesen.

Ich tippte auf Sandra Bullock oder Hugh Grant und befand, dass es meiner Laune noch zutragen würde. Möhren und Kartoffeln in den Topf gehaun, angeschaltet.

Meg Ryan.

Es hätte kaum schlimmer sein können, irgendwie kriegen immer die falschen Krebs. Mononatriumglutamat sollte mich in Form von Brühwürfeln für das Süppschen aufheitern. Ich fand nichts. Die aufgeräumteste ist unsere Küche nicht, aber momentan macht sie dem Irak glänzende Ehre. Der Suppenplan musste umgeworfen werden, während sämtliche Messenger auf meinem Monitor hysterisch leuchteten, mein Vorgesetzter in Avalon unbedingt noch was wissen musste und Meg Ryan und irgendein Typ, dessen Namen man sich ganz gewiss nicht merken muß, anfingen über die Liebe zu philosophieren.

Idioten, die wirklich noch daran glauben. Ich mußte kurz an die Außerirdischen aus der gestrigen Simpsons-Folge denken, die in solchen Situationen ganz elegant aus den Augen kotzen.

Folgende Situation: Meg Ryan und dieser Typ mit Triebtäterbart wanderten über einen amerikanischen Flohmarkt und fragten sich, was wohl Liebe sei. Dann fanden sie Lupen und hielten sie dem anderen so geschickt vor sein zartes Gesichtchen, dass Augen und Nase auf das skurrilste verzerrt gar lustig auf und ab hüpften. Ja, oh ja! Das ist die gewollt gelockerte Stimmung für die Geburt eines neuen Paradigmas.

Nach kurzem hin-und herlabern, ob sie denn schon mal Liebe und folgende Leere und dessen Abwechslung, Glück und Leid, inklusive allem Drum & Drans erlebt hatten. Dem Bejahen von beiden Seiten, einigte sich der Typ mit sich selber, dass er wohl nicht so richtig wisse, was denn eigentlich Liebe sei.

Und dann fing Meg Ryan an zu erzählen. Grub Erinnerungen aus einem Wust, nein, Schatz kindlicher Erfahrungen hervor und begann von ihrem geliebten Hund zu erzählen, ihrem geliebten Vater und einem bösen Tierarzt, der ebenso böse Würmer oder Maden im Gedärm des geliebten Hundes feststellte. Mit dem Hund wär wohl nichts mehr zu retten gewesen, wäre nicht der geliebte, kluge Vater, der schon immer ihr Vorbild war, gewesen. in mühevoller Kleinarbeit pulte er dem Hund die Maden aus dem Darm, steckte ihm Mal um Mal den Finger in den Arsch und – ja, es dauerte die ganze Nacht – der Hund war genesen. Freilich ist das eher eine Arbeit, die man entweder Ausländern, doch zumindest der Unterschicht überlässt. Also schloß unsere zuckersüße Meg Ryan, mit den verklärten, dunklen Kulleraugen erhabener Stimme:

DAS IST LIEBE!

Meine Suppe war fertig, mein Gedanke war: Mahlzeit. Still widmete ich mich meiner neuen Schmand – Curry – Sojasossen – Kreation und frage mich nun noch stiller, ob es eigentlich noch Länder gibt, in denen man für sowas die Todesstrafe kriegt.

Wünschenswert wär’s ja schon.

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