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Asta Bonn

Blogged in Politik,Studentenleben by Gahi Donnerstag Oktober 27, 2005

Das alles fing ja eigentlich komplett harmlos an.
Ich war mit Anna zur Vorlesung Zellbiologische Grundlagen humaner Erkrankungen (bitte flott und mit Betonung lesen) verabredet. Gehalten von einem älteren, sympathischen Professor mit Kartoffelnase im Ruhestand. Der Professer, nicht die Nase.

Was keiner von uns beiden wusste: Die Vorlesung viel aus.

Wir hatten also nicht viele Möglichkeiten. Nach hause fahren oder eine Weile bedröppelt rumsitzen und überlegen: Was nun? Wir taten letzteres auf den wenigen unbequemen Stühlen, die in der Meteorologie rumstanden und blätterten unmotiviert in einer Basta, der legendären, super-informativen Zeitschrift des Asta Bonn. Uns schrie eine Überschrift an, in der irgendwas von Studiengebühren und Sommersemester stand. Im folgenden Artikel stand was von 500 Euro und für jeden, aber auch wirklich jeden.
Meine Alarmglocken schrillten schon auf ganzganzlaut und ich schnappte noch ein Datum und eine Uhrzeit auf. Heute, 19.30, volle Information: wer muss wann was wieviel zahlen und überhaupt und Finanzierung, Nassemensa, Essen 2.

Ok.

Damit vergassen wir das ganze erst mal, fuhren zu mir, dem Kaffee- und Simpsonsgott fröhnen.

Am nächsten morgen hatte ich genug gefröhnt und mir fiel das viele viele Geld wieder ein. Fasste ich den Entschluss, dem AstaBonn noch mal eine Chance zu geben und hinzugehen. KakaMon scheuchte ich noch auf und so hatten wir viele gute Vorsätze. Ich wollte sicherheitshalber noch mal nachschauen, ob ich mir nichts falsch gemerkt hatte, besah die Homepage des Asta und fand nichts. Ich fand alle Astaausgaben, bis auf die neueste. Im Veranstaltungskalender stand gar nichts. Bis auf die Einträge vom Schwulenreferat. Ehrlich gesagt hielt ich den Asta eine Zeit lang für einen Trupp von Homos, als ich das las. Da war **nicht eine** Veranstaltung ausserhalb des Schwulenreferats. Schwule in Bonn, dann Schwule – Coming out [Supersonderveranstaltung], Wandern für Schwule, Schwule in Bars und natürlich der Klassiker Erstieeinführung. Mir ists egal, wie der Asta zusammengesetzt ist, aber ich hätte gern diese einzige klitzekleine Information gehabt, OB und WANN und WO das denn nun genau stattfindet, denn aus Erfahrung weiss ich: Einem Gehirn ist nicht so ohne Weiteres zu trauen, vor allem nicht, wenns um Fragen des Gedächtnisses geht.

Ich wusste eine Lösung: Ich würde noch eben zur Vorlesung fahren und im Institut Ausschau halten nach einer der begehrten Basta-Ausgaben. So landete ich im Hörsaal, Basta durchblätternd und im Begriff ganz ehrlich an mir selbst zu zweifeln. Da stand zwar ähnliches drin, wie ich schon im Archiv der Basta online gelesen habe (nungut, da steht ja eh immer dasselbe drin), aber NICHTS von dieser Infoveranstaltung über Geld, Leid und Studieren. Verdammt. Ich war mir so sicher gewesen…ich hatte doch da sowas gelesen.

Die Kommilitonin neben mir gab mir freundlicherweise den Hinweis, es könnten ja auch noch andere, sprich: aktuellere Ausgaben der Basta vorn auf dem Fensterbrett liegen. Erst versuchte ich eine Verteidigung: “Nein, da liegen bestimmt nur die Neuesten vom Neuen”, kam aber direkt ins stottern und glaubte schon selbst nicht mehr dran. Ich sprang auf und fand auf dem Fensterbrett tatsächlich mehrere Ausgaben, darunter auch eine neue. Die 10 alten ließ ich links liegen und siehe da: Termin, Ort, Inhalt in meinem Gehirn stimmten mit dem in der Basta geschriebenen überein, natürlich nur was die Veranstaltung betrifft, und ich aktivierte KakaMon erneut.

Als wir dann in der Mensa ankamen, hatten wir schon ein etwas mulmiges Gefühl. Das verstärkte sich, als wir sahen, dass ausser ein paar Astaleuten selbst und ein paar skurrilen Typen, die sich als RCDS-Fanclub rausstellten, keine Sau da war.
Missmutig und in Erwartung des Schlimmsten setzten wir uns. Während die Mikros noch getestet wurden, schüttete ich Wasser in den Salzstreuer und bemerkte KakaMon, dass irgendeine Haarspülung von ihr in der EInkaufstüte ausgelaufen ist.

Grossartig. Das Zeug roch, als würden wir gleich ganz schön auf der Reise sein, mir wurde schon so leicht schwummerich.

Ein untergewichtiger, aber ansonsten junger und schnittiger, Astaboy sprach eine kurze Einleitung ins überdrehte Mikro. Vorn waren Schilder der verschiedenen Hochschulgruppen platziert. Hinter jedem sass einer von diesen Typen, mit denen ich in meiner Freizeit nichts zu tun haben will. Wir mutmassten, dass die zum Lachen in den Keller gehen und immer, wenn sie mal ans Tageslicht kriechen, irgendwas für ihre feine Hochschulgruppe tun.

Die eigentliche Info ging los. Ich war bis zum Zerreissen gespannt. Ein älterer Mann sprach mit schrägem Akzent und erzählte was von Rot-Grün 1998 und dem Hochschulrahmengesetz. Über Blabla und Tüdeldü kam er zur Landtagswahl im Mai. Natoll. Ich wusste alles davon schon, Schnee von gestern. Ich wollte Fakten, nicht Geschichte.
Dumm gelaufen, denn nachdem der ältere Herr fertig war, sollten sich die einzelnen Gruppierungen mit ihrer Meinung vorstellen, die Diskussionsrunde wurde gestartet. Dummerweise zierten sich diese dämlichen Hochschulgruppenflachzangen. Sowas! Sich mit irgendwelchen andern begrenzt begabten Typen über sowas wie annähernd-Politik unterhalten wollen und dann zu schüchtern sein um den Anfang zu machen?

Ganz grosses Tennis.

Die eine Tussi von ULF (was auch immer das heisst (ich kenn nur Ulf und Zwulf, Knatsch am Sonntag, und das war eine Kinderkassette mit doofen Liedern) begann mit: Ich bin die Angelika und ich studier im 5. Semester Jura. Naklar, Angelika oder Susanne oder Wieauchimmer. Jeder macht mal Fehler, ganz natürlich. Sie war mit ULF natürlich gegen Studiengebühren und fing an zu lamentieren.
Mit jeder Seite, die sie zur Seite legte, weil abgelesen, wurden meine Augen grösser und entnervter. Wenn die alle so lange labern, sitzen wir morgen noch hier (und während ich das hier schreibe, sitzen die sicher noch da rum und die vorletzte Gruppe hat bestenfalls gerade begonnen). Meinlieberscholli. Mir muss doch keine Jurafotze im 5. erzählen, dass sie nichts von Studiengebühren hält. Ich WEISS, warum ich da was gegen hat, um mir sowas nochma anzuhören, bin ich nicht da.

Die drei seltsam anmutenden jungen Leute am Tisch vor uns grinsten sich einen ab.

Als die ULF-Uschi endlich fertig war, kamen die Jusos. Der Typ war Physiker und redete auch so.

Die drei Typen am Tisch vor uns grinsten immer noch.

KakaMon und ich begannen Galgenraten zu spielen.

Jeder musste den anderen einen Begriff aus dem eigenen Fachgebiet erraten lassen. Nachdem KakaMon Trochophora-Larve und ich Mediantenverückung erraten hatte, war der langsam fertig geworden und der Typ vom RCDS fing an zu labern.

Der war echt die absolute Granate. Geschniegelt, gebügelt und wahrscheinlich Generalhauptvorsitzendergeneral des Vereins. Der war nicht wie die vorangegangenen Gruppen gegen Studiengebühren, sondern eierte nur rum, die Unis würden ja Geld brauchen. Er war so clever, sich in seiner eigenen Argumentation zu verfitzen, erzählte nämlich, dass jetzt schon weitaus weniger Leute aus den sozial schwächeren Familien studieren als aus den stärkeren. Und dann versuchte der irgendwie noch den Bogen zu kriegen, dass das mit den Studiengebühren ja irgendwie trotzdem ausgeglichen werden könnte.
Als der Trottel fertig war, waren die grinsenden Trottel am Tisch vor uns die einzigsten, die klopften.

Alles klar: der Pappi hat nen Goldesel und wenn die da im Fernsehen von Leuten reden, die unter der Armutsgrenze leben, dann übertreiben die nur.  Sich zu verschulden, bevor man weiss, ob man einen Job kriegt, ist auch nicht so schlimm, weil a) Der Pappi hat ja das Geld und b) Krieg ich ja die Kanzlei.

Ich wusste nicht so recht, ob ich denen ins Gesicht kotzen oder schlagen sollte. Wohl beides eher Verschwendung.

Als die Schnalle von den Grünen anfing zu reden, gingen wir.

Eine Stunde war vergangen und es ist nichts gesagt worden, was wir nicht schon vorher gewusst hätten.

Tolle Wurst, AstaBonn.

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