Pannenbahn
Zurückerinnernd fing wohl alles mit dieser uns?glichen Werbung der Deutschen Bahn an. Leute warten am Bahnsteig, schauen entnervt auf ihre Uhren und regen sich auf, dass die Bahn eine Minute zu spät kommt. Danach der tolle Slogan, dass die Bahn das pünktlichste Verkehrsmittel Deutschlands sei. Schlechter Witz. Zumal es bei den Reiseplänen der Bahn auf Umsteigzeiten von 2.3 Minuten ankommt und schon ein minimal verspäteter Zug einen Rattenschwanz an Ärger nach sich ziehen kann.
Dann wurden die Tickets an den Schaltern teurer als am Automat, die Schalter schlechter besetzt und die Anzahl der Ticketautomaten nicht erhöht. Tolle Wurst, vor allem die Software, die auf den Dingern drauf ist – wahnsinnig langsam und störanfällig. Kaum zu gebrauchen für den alltäglichen Ticketkauf (für kompliziertere Reisen oder Sonderwünsche muss man sich dann eh eine halbe Stunde anstellen) Allein diese zeitaufwändige Ja-Nein-Antworterei. Wollen Sie von diesem Bahnhof starten oder von einem anderen. Reisen Sie erster Klasse oder zweiter Klasse? (Also echt: Welcher Erste-Klasse-Yuppie kauft denn bitte seine Fahrkarten am TICKETAUTOMATEN???) Fragen über Fragen, janeinvielleicht, dankeschön und beim Ausdruck der Fahrkarte und der Quittung ist direkt noch irgendeine sinnlose Werbung für das Fantasialand (wer Phantasie mit F schreibt, hat keine!) oder Heidepark Soltau dabei.
Der Ausdruck der Werbung ist farbintensiv und dauert natürlich am längsten von allem. Bis man mit dem Ding fertig ist, ist der Zug auch weg – es sei denn, man plant eine halbe Stunde mehr ein – und dann kann man sich eben auch genauso gut am Schalter anstellen.
Das Grandiose an den Ticketautomaten ist, dass sie entweder nicht funktionieren oder an der falschen Stelle stehen. Wenn man also am Hintereingang in den Bahnhof geht, weil der Zug auf dem letzten Gleis steht, kann es gut sein, dass man erst zur Haupthalle vorrennen muss, um einen intakten Automaten zu finden.
In der Regionalbahn nach Euskirchen, die wir Duisdorfer nehmen müssen, ist der Ticketautomat seit Monaten defekt! Wirklich seit Monaten – und er wird nicht gewartet. Das ist jetzt nicht SO schlimm, weil sowieso nie ein Schaffner mitfährt — aber würde mal ein Kontrolleur auf die Idee kommen, dass zu tun, was sein Job ist – also kontrollieren – dann würde es natürlich saures geben. Denn nach Logik der Deutschen Bahn müsste man natürlich aus dem Zug aussteigen (egal, ob er schon fährt oder nicht)
und unter Einsatz seines Lebens und Feierabends zur Haupthalle sprinten, ein Ticket holen und dann wahrscheinlich schlicht den nächsten Zug nehmen. Null problemo, wenns weiter nichts ist!
Weiter ging es mit den alten Regionalbahnen und den Zugtüren. Die Türen sind nicht automatisch, sondern es muss ein Hebel gezogen und die Tür aufgedrückt werden. Dummerweise klemmten die Türen eine nicht unerhebliche Zeit lang. Sie waren schwer aufzubekommen. Auch dann nicht, wenn sich ausgewachsene Männer mit ihrem ganzen Körpergewicht gegen sie geworfen haben. Das führte zu den unheimlich lustigen Situationen, dass die Fahrgäste auf dem Bahnsteig und innerhalb des ZUges an der selben Tür hingen, mit vollem Körpereinsatz zogen und drückten und irgendwann lustiglich durch die Gegend purzelten, als sich die Tür entschloss, doch nachzugeben. Schliesslich ist die Bahn die Klügere.
Schliesslich gaben schon die Zugführer erheiternde Ansagen zum Besten – sie verstanden die mangelnde Wartung auch nicht, entschuldigten sich und bekamen trotzdem den Ärger der Fahrgäste zu spüren. Irgendwann wurden die Türen dann repariert und mit Aufklebern versehen, dass die Türen nicht zu öffnen sind, bevor der Zug steht – jetzt wo man sie öffnen kann. Das war im Frühjahr, als die Türen wieder öffneten. Mittlerweile vrschlechtert sich die Situation diesbezüglich wieder.
Die absolute Krone allerdings setzt sich die Bahn jetzt auf. Wenn man auf die Abfahrtstafeln schaut, sind sie überzogen von der gelben Schrift, die Verspätungen ankündigt. Dabei sind 25 Minuten der absolute Glücksfall. Triebwerksschäden hört man bei jeder zweiten Verspätung. Die andere Ursache sind Verzögerungen im Betriebsablauf. Letztere undefinierbare Ursache hat jetzt sicherlich den “Personenschaden” abgelöst. Der hatte vermutlich immer so viel Ärger bei den Passagieren ausgelöst, dass sich die Deutsche Bahn nicht mehr traut, das durchzusagen. Ich hatte mich auch aufgeregt. Wenn die sich unbedingt beseitigen müssen – bitteschön. Aber nicht doch so, dass dabei noch andere mit reingezogen müssen – Kinder Leichenteile beschauen dürfen, weil der Zug ja erstmal geräumt wird und arme geplagte Arbeite und Studenten nicht nach Hause kommen.
In den Genuss des Triebwerkschadens kam ich vor kurzem auch. Meine Mission war schlicht von Bonn nach Köln-Süd zu gelangen – normaler Zeitaufwand: 23 Minuten. Jaa, da hat man die Rechnung aber nicht mit der Bahn gemacht! Kurz vor Brühl kam die Durchsage, dass wir wohl noch vor dem Bahnhof zum Stehen kommen. Die Lok wär wohl abgestürzt, die Elektronik hat Samba getanzt und der Zugführer versuchte, die Sache mit Humor zu nehmen. Irgendwie hat er den Zug in den Bahnhof bugsiert und eine Weile an der Elektronik rumgefummelt. Er machte eine entnervte Durchsage, er wisse nicht, wie es weitergehen solle – die Raucher könnten ruhig erstmal eine Rauchpause machen – unbesorgt – wir würden nicht ohne sie starten. Kurze Zeit später ein freudiger Aufschrei: “Ich fasses nicht, die Lok geht wieder!” Der Tüp hätte Alleinunterhalter werden sollen – trotz der widrigen Umstände war die Stimmung heiter. Der Zug fuhr an und keine 100m hinter Brühl versagte sie wieder ihren Dienst. Die lakonische Bemerkung des Lokführers: “Nun ist alles kaputt, aber zum Glück stehen wir an einem Gefälle. Wir können ohne Probleme rückwärts in den Bahnhof zurückrollen.”
ZurückROLLEN???
Deutsche Wertarbeit, bei dieser Technik weiss man doch, was man hat! Die geschichte war damit nicht beendet. Alle durften aussteigen und in die folgende Bahn einsteigen. Die war im Feierabendverkehr eh schon ?berf?llt, aber ohne Klimaanlage bei 35?C Aussentemperatur – da gibt man als Deutsche Bahn doch nicht auf! Da kann ruhig noch ein kompletter, überfüllter Feierabendzug in den kochenden, überfüllten Feierabendzug dazusteigen! Wär doch gelacht! Ich kam schliesslich wirklich in Köln an, mit gegrilltem Gehirn und knusprigen Haxn. Zeitaufwand: 2 Stunden.
Nur eineinhalb Stunden hat die Fahrt gedauert, als der Zug mit Triebwerkschaden eine Woche später schon vor Bonn ausfiel und wir aufgefordert wurden, in die Strassenbahn umzusteigen. Ich dachte: Momentemal, da müsste doch in 10 Minuten noch ein Zug kommen. Schlechte Karten, Auf den Zug, der ersatzlos ausfiel, folgten nur Züge, die mindestens 50 Minuten Verspätung hatten. Dass die Strassenbahn heiss war, dort zwei Feierabendzüge in 4 Wagen (!!!) saßen und ich die kompletten 80 Minuten der Fahrt neben einer dicken Frau stehen (!) durfte, die ständig ihren Popo an meine Beine klatschte, war der absolute Höhepunkt des Tages.
Den Vogel schoss die Bahn aber am Samstag ab. Der Zug, den Alwin nach Bonn nehmen wollte, fiel ersatzlos aus, so dass er ein Weilchen auf den nächsten warten durfte. Abends waren wir noch mit den Avalon-leuten ein Bierchen trinken und wollten um 2.31 den Zug nach Köln nehmen. Der kam aber nicht. Irgendwann dafür die Durchsage: Der Zug kommt einige Minuten später. Ach! Als er dann kam, ging im Zug das Licht aus. Es gab mal wieder Probleme mit dem Triebwagen und irgenwann um 3.15 kam die Durchsage, dass der Zug nicht mehr fährt. Man solle den Zug um 3,31 nehmen. Logisch, wenn man schon ne dreviertel Stunde gewartet hat, kann man ja auch problemlos noch 15 Minuten zusätzlich warten. Auch wenn sich die Dämmerung schon zart ankündigt. Wir warteten also und waren unsicher – vielleicht sollten wir doch lieber den Bus nach Duisdorf nehmen. Klugerweise sagt die Bahn die Verspätungshinweise erst dann durch, wenn es zu spät ist, auf Alternativen umzusteigen. So auch diesmal. Um 3.28 kam die Durchsage, der Zug hätte winzige 20 Minuten Verspätung. Wir rannten zum Nachtbus. Als wir dann zuhause waren kam eine Sms von RedImp. Der Zug wäre gerade losgefahren.
Mit einer halben Stunde Verspätung.
Heute ging es weiter. Der Zug, den ich nehmen wollte, kam 30 Minuten später. Am Bahnsteig war die ganze Zeit ein Ic angeschlagen, der 17.44 hätte fahren sollen. Um 20:00 war er immer noch nicht da.
Dann bin ich mal gespannt, ob ich morgen rechtzeitig zur Arbeit komme…

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