Cultus Ferox
Ich bin weder ein großer Konzertberichteschreiber noch ein großer Fan der Mittelaltermusik und -märkte. Ersteres habe ich mit der Schülerzeitung hinter mir gelassen, zweiteres hat mich irgendwann einfach nur noch zu Tode genervt. Wenn man selber lange und intensiv Tin Whistle gespielt hat – mit irischen Noten – dann geht einem dieses Gedudel, ewig derselbe Takt und das unermüdliche Auf und Ab der Melodie in kleinen Intervallten tierisch aufn Sack. Anders verhält es sich demzufolge nicht mit dem typischen Sackgedudel auf Mittelaltermärkten. Das ist mal ganz lustig, aber auf die Dauer….naja, vielleicht doch ein wenig zu realitätsfremd (ja, schlagt mich; bestraft mich!).
Nun haben Maugrause und CelticNights aber eben diese Mittelaltermärkte, Rollenspiel und die zugehörige Musik für sich entdeckt und schwärmten beim Erzählen vom Spectaculum (und anderen Events mit dreckigen Männern und schönen Frauen) immer wieder von einer Band: Cultus Ferox. Das lässt sich ohne weiteres verkraften und als ich mir so rein zufällig mal das Programm der Klangstation anschaute, entdeckte ich schon im August oder September, dass am 2. November ein Konzert eben jener Band stattfinden würde. Davon erzählte ich dann, lud sie ein und Padautz! Mein Wunsch, ihnen eine Freude zu machen wurde erfüllt. Sie sagten zu und trafen am Mittwoch nachmittag bei mir ein, Donnerstag sollte das Konzert sein. Betreffende Pizza-Wein-Baileys-Foto-Orgien überspringe ich mal, es geht ja um die Band.
Der Donnerstag fing gut an, ich nahm die beiden mit zu einer Vorlesung, die ein Prof hält, an dem ein Showmaster verloren gegangen ist. Danach schwänzten wir kollektiv meine weiteren Vorlesungen und machten uns für den Abend startklar.
Es wurde Lauch-Käsesuppe gekocht – das ist deshalb wichtig, weil die noch einmal auftaucht – und zum Essen gabs ein Weinchen. Da wir uns so ein wenig in der Zeit verschätzt haben, musste die übliche Was-Zieh-ich-an-Was-Makeuppe-ich-Prozedur in 20 Minuten über die Bühne gebracht werden und wurde auch erfolgreich abgeschlossen. Die halbe Flasche Wein leerten CelticNights und ich im Zug zur Klangstation.
Da sprangen ein wenig seltsame Gestalten rum – das ist nicht weiter ungewöhnlich für die Klange, aber diese Gestalten kannte ich nicht. Ein paar der Gestalten gehörten sogar zur Band, wie ich versichert bekam, und während wir einen kühlen Met tranken, lief der Soundcheck. Dann lief einer der Band-Gestalten zu uns und berlinerte uns an, ob sein Plektrum haben können. Wir hatten uns kurz vorher schon drüber lustig gemacht, wie angeknabbert das aussah – das wollten wir eh nicht behalten.
Da unser Met alle war, holten wir noch einen. Der zweite Raum wurde geöffnet und ein paar Leute versammelten sich locker vor der Bühne. Es sollte nur noch eine halbe Stunde bis zum Auftritt sein, aber wie das so ist – die Anfangszeiten, die vorher bekannt gegeben werden, sind reines Phantasieprodukt. Es dauerte einen weiteren Met bis die Band zu spielen anfing.
Nicht dass noch besonders viel in mein Hirn vorgedrungen wär. Aber es war saugeil!
Wir standen direkt vor der Bühne, vor uns waren nur noch so Fotografentüpies. Das fand ich gut, denn wir hatten keine Kamera dabei, weil wir nicht wussten, ob man fotografieren darf. Offensichtlich durfte man und zwei der Fotografen hatten sogar T-Shirts an mit der Url, wo man die Fotos dann schauen könne.
Dummerweise haben diese Mittelalterleutchen einen Hang zu abstrusen Namen. Ich konnte mir beim besten Willen diese verdammte Url nicht merken, und das lag nicht am Met (behauptichmal). Ich hab es in mehreren Anläufen versucht, aber konnte mir nur merken, dass es irgendwelche Phantasiesilben waren, die ein **J**, ein **B** und noch ein paar **E**s und so das übliche beinhalteten. Ist ja eine gute Intention, über T-Shirts so Werbung für die eigene Homepage zu machen – aber wenn der Name so abgefahren kompliziert ist, dass ihn sich kein Schwein merken kann – dann kann mans eigentlich auch lassen.[Nachtrag: Ich hab TROTZDEM die website rausbekommen
) Hat sich also doch gelohnt!]
Das war in dem Moment aber gar nicht so wichtig, denn auf der Bühne ging es ziemlich ab. Ich hab so piehmaldaumen 7 Leute gezählt. Ein paar Dudeldinger, glaube 3 Gitarren und ein großes Trommelungeheuer.
Ich kannte keines der Lieder, aber der Rhythmus hat überzeugt und so tanzten die meisten Leute.
Zwei sehr ansehnliche Tänzerinnen (mit traumhaften Kostümen) vervollständigten ab und zu das Bild und heizten dem Publikum noch mehr ein.
Schade war allerdings, dass die Musik so laut und die Mikros so dumpf waren, dass man den Text nicht verstehen konnte. Als die ersten Töne einsetzten, hatte ich eine kurze Vision von einem kleinen Kobold, der mit großen, weit ausholenden Schritten und roter Zipfelmütze über die Bühne schreitet und über dem Kopf ein riesiges Schild trägt Achtung: Bei dieser Lautstärke verlieren Sie Ihr Gehör!
Das Konzert war viel zu schnell vorbei, wir hielten unseren 4. Met in der Hand und waren schon ganz schön waggelisch in der Birne. Die Leute von Cultus Ferox mischten sich unters Volk und wir versuchten verzweifelt aufrecht zu gehen, der Met hatte es ganz schön in sich!
Mehrfach ging ich zum Bahnhof, um die Fahrzeiten für den Zug rauszubekommen. Es war noch nicht einmal Mitternacht. Aber irgendwie konnte ich keinen klaren Blick erfassen (ob ich auch geschielt habe? das bild war immer so unstet) und realisierte nicht wirklich, ob ein Zug fährt und wann. Ich wusste ja nicht mal die genaue Uhrzeit. Zurück in der Klang beschloss ich mutwillig mit dem großen, weißen Telefon zu reden (hier taucht jetzt quasi die Lauch-Käse-Suppe wieder auf) und holte in den Metgläsern Leitungswasser für unsere geschundene Blutbahn. CelticNights und Maugrause waren phantastischer Stimmung.
Aber so ganz war es nicht mehr auszuhalten und wir versuchten NOCH einmal, eine Fahrzeit vom Zug rauszubekommen. Wir scheiterten erneut. CelticNights war es dann, der eine bestechende Entdeckung machte: Hey, da stehn Taxis!
Wir fragten, wieviel die Fahrt nach Duisdorf kostete. Dann gabs sowas wie ein Loch im Raum-Zeit-Gefüge und wir sassen in einer molligen C-Klasse mit schwarzem Lederbezug. Das können sich die meisten vielleicht nicht vorstellen, wie abwegig es ist, dass ich mit einem Taxi fahre. Zumal zu einer Zeit, wo noch reguläre Busse und Bahnen fahren. Taxi ist zwar bequem, aber teuer. Taxi heisst Notlösung. Schlimmer gehts dann eigentlich nimmer. Met ist verdammtes Teufelszeug! Nehmt euch ja in Acht!
Schwuppdiwupp waren wir zuhaus und drückten die 18 Euro an den Taxifahrer ab.
Zuhause machte ich mehrfach den Versuch, eine Kanne Wasser aufzustellen, der mehrfach von Maugs fahrigen Bewegungen unterbrochen wurde. Der Teppich wurde mit jedem Schwabber nasser und das geholte Himmelblaue Handtuch, das ich irgendwann mal in einer Klosterschule geklaut hab, war patschnass.
Ich gab es auf und kuschelte mich in mein Bettchen. CelticNights kuschelte sich auf die Retro-Matratze der Wg und Maug verschwand noch mal ins Bad to yawn in technicolor. Sie hat ziemlich laut gegähnt, was uns amüsierte. Licht gelöscht, ein glorreicher Abend neigte sich dem Ende, obwohl es gerade mal Mitternacht war.
Verdammter Met.
Als ich nachts ins Bad tappte, war ich froh, dass ich nur langsam und schwankend vorwärts kam. Bei ihrem Telefonat mit dem großen, weissen Telefon hat Maug unser Bad von der Tür bis zur Schüssel einmal vollgekotzt. Sie hat dabei immerhin mit zwei Lauchröllchen auch die Schüssel getroffen (hier taucht unser Abendessen jetzt zum letzten mal auf). Zum Glück ist unsere Mitbewohnerin, die jetzt ausziehen will, weil wir ihr irgendwie zu dreckig sind, nicht als erste über Maugs Hinterlassenschaften geschliddert.
Der nächste Tag war grauenhaft. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich meinen Magen durch das Seminar um 8 Uhr bekommen habe – aber es ist halt schon von Vorteil, wenn mein Name auf der Anwesenheitsliste steht. Ich weiss noch, dass ich einen Vorschlag über den Handel mit Tierfellen gemacht hab und mich alle empört ausgelacht haben. Dabei war mein Vorschlag gut.
Ich schwiff ab – dabei fehlt doch noch ein Fazit.
Die Band ist geil, ich will die wiedersehen.
Es war eines der besten Konzerte, die ich je besucht hab. Das hängt natürlich nicht direkt damit zusammen, dass der Abend auch Maugs allerallerersten Filmriss zur Folge hatte.
Auf den nächsten Mittelaltermarkt muss ich dann wohl mal mitkommen und dann mach ich auch Fotos und Werbung in eigener Sache. Meine URL kann man sich wenigstens merken.
Achja, und
CULTUS
FEROX!
Das Konzert ist nun einige Tage her und ich habe tatsächlich die komplette Adresse der website der Fotografen rausbekommen, weil mir eine nette Frau vom CF-Fanclub geschrieben hat. Als ich Bombadil von JARWINBENADAR (!!!) anschrieb, ob sie Fotos für meinen Artikel bereitstellen würden, bekam ich innerhalb weniger Stunden(!) eine sehr nette Antwort. Die Website ist sehr sehenswert! Es gibt sehr schöne Konzertfotos und Konzertberichte, Interviews. Der Konzertbericht zu demselben Abend befindet sich hier: Konzertbericht auf Jarwinbenadar
Da sind viel gehaltvollere Infos drin als hier in der Mekkaekke, also müssts ihr alle dahingehen, wenns ihr was über die Band wissen wollt.
In dem Bericht ist von 10 Leuten auf der Bühne die Rede. Hab ich mich wohl verschätzt. Außerdem ist ein Bild von ihm da da:
Wer zur Hölle ist das??? Den hab ich noch nie gesehen. Ich weigere mich, einzugestehen, dass er an diesem Abend in der Klange gewesen sein muss…
Auf jeden Fall finde ich es total super, dass Bombadil die Fotos zur Verfügung gestellt hat! Dickes Dankeschön!





Keine Kommentare
Noch keine Kommentare
Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.