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Cultus Ferox Doe

Blogged in Musik by Gahi Samstag März 10, 2007

Es gab ein ziemliches Hickhack um mein zweites CultusFerox-Konzert und vorab mehrere Problemchen.

Ich fand zuerst niemanden, der mit mir hingehen wollte. Als Judith, eine Kommilitonin von mir, zusagte, sich aber ziemlich lange (bis so 3h vor dem Konzert) nicht meldete, hatte ich das Konzert schon abgeschrieben. Keiner wollte Cultus Ferox, weder GottAlwin, noch RedImp, noch meine ehemaligen Mitbewohner, noch die Kollegen aus der AG Gravitationsbio.

Zu allem Überfluss sollte das Konzert auf der Burg Satzvey stattfinden. Man kommt mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zwar ziemlich gut dahin – aber wieder nach hause kommen, ist ein Problem. Der letzte Zug Richtung Bonn fährt um 23.08 und da es um die Uhrzeit aus irgendwelchen Gründen günstiger scheint, aus der Eifel über Köln nach Bonn zu fahren, dauert die Rückfahrt auch mehr als doppelt so lang.

Exzessives Feiern in die Morgenstunden und den frühesten Zug um 6.00 nehmen fiel auch aus, weil mein Onkelchen heute heiratet und ich mittags in Siegburg am Standesamt stehen muss – einigermaßen frisch aussehend.

Freitag regnete es dann den ganzen Nachmittag durch, aber als Judith um 17.00 anrief, “CultusFerox, Ja, Ja, Ja!”, schien es doch noch etwas zu werden. Wir konnten ihren Freund Jonny überreden mitzukommen und gegen Benzingelderstattung das Auto mitzunehmen – der Unabhängigkeit halber. Zuhause aß ich noch schnell etwas und fing an, auf die beiden zu warten. Das Konzert sollte um 20.00 Uhr losgehen. Keiner von uns wusste so genau, wie man zur Burg kommt (Erstmal Richtung Euskirchen, klar. Aber dahinter ist ja erst mal GANZ LANGE NICHTS!). Als sie um 19.30 immer noch nicht da waren, wurde ich langsam unruhig. Ich fing an, an mir selbst zu zweifeln – hatten wir wirklich verabredet, dass die beiden mich abholen? Naja, wenn nicht, wär es eh zu spät gewesen. Um 19.40 waren sie da und nach einer halben Tankbefüllung düsten wir los. Bis Euskirchen fanden wir. Ich hatte Euskirchen immer für ein popliges Kaff gehalten. Da uns eine Baustelle von der Hauptstraße abbrachte – aber keine Umleitung ausgeschildert war – suchten wir in Euskirchen ein Weilchen nach der richtigen Straße. Wie soll man sagen – die Eifel ist dem Kreisverkehr und 90°-Steilkurven wohlgesonnen. Aber irgendwas muss die Eifel ja bieten, an das man sich erinnern kann.

Als wir an der Burg ankamen, war alles finster. Wir hatten im Auto schon Wetten abgeschlossen, ob mehr als 20 Mann da wären. Und ob Cultus Ferox langsam wahnsinnig würden – der Eintrittspreis war mit 16 Euro ziemlich hoch angesetzt. Dafür dass man für das Konzert bis ans Ende der Welt fahren muss. (Ich bin mir sicher, dass das Ende der Welt irgendwo in der Eifel liegt. Das merkt man schon daran, wie die Leudä schbräschn.)

Judith und Jonny waren schon öfter auf der Burg Satzvey und zeigten mir den offiziellen Eingang. Ich schwör’s – ohne deren Hilfe hätte ich den nie gefunden, so still war es. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, ein muggelisches Regen-Konzert auf dem Burghof zu hören. Aber auf dem Burhof war nichts. Nicht mal eine Katze.

Wir steuerten die Kneipe an (da brannte Licht und ein wenig Musik war zu hören). Dort am Eingang knöpfte uns ein düsterer, älterer Herr den Eintritt ab. Durch unsere Studiausweise sollten wir Ermäßigung bekommen. Aber der Herr gab sich mit der Angabe “Wintersemester 06/07″ nicht zufrieden: “Wo se’ischsch denn, ob dr noch gültischsch is?” Wir zeigten ihm das Datum, dass irgendwo ganz unten pink in die Ecke gedruckt ist und konnten ihn sogar noch davon überzeugen, dass Jonny ein Azubi ist und ohne Ausweis die Ermäßigung haben müsse. Judith fragte noch, ob es schon angefangen hätte. Aber dafür standen noch zuviele blutverschmierte Kerle (=die Band) an der Bar.

Wir waren da, es konnte losgehen. In der Kneipe würde es vermutlich nicht regnen und mit einem Bierchen sollte es ganz muggelisch werden. Mir war anfangs schweinekalt, aber es war schon gut voll. Alle in gemischtem Alter und deutlich(!) mehr als 20 Personen. Wir waren wirklich überrascht, aber scheinbar hatte das Konzert doch viele aus den einsamen Landstrichen des Mittelgebirges gezogen. Wir holten uns ein Bier – eine 0.3er Flasche kostete 3 Eier! Und das war nicht mal Bitburger! Und sowas in der Eifel. Schon ein bißchen unverschämt.

Wir suchten uns ein Plätzchen in den vorderen Reihen und dann ging es auch schon los. Die Band marschierte quer durchs Publikum ein und posierte mit einigermaßen viel Hintergrundgedonner auf der Bühne. Judith ist noch kleiner als ich. Wir sahen nicht so viel, also gingen wir mehr an die Seite und hatten einen freien Blick auf die Bühne. Als sie anfingen zu spielen, hätte es mich beinah aus den Stiefeln geblasen. Ein wackeliger Blick nach links bestätigte mir, dass wir direkt neben den Boxen standen. Judith und Jonny hatten sich schon Ohrenstöpsel eingestöpselt und boten mir auch welche an. Nein! So alt bin ich nun auch noch nicht! Wenn schon denn schon. Außerdem schmerzen Bässe nicht nur im Ohr, sondern im ganzen Körper – und so muss das auch sein!

Aber der Lärm wurde lauter, die Bässe rollten durch mich durch, und als mein Herz zu flattern anfing, gab ich mich geschlagen, und machte ein Schrittchen von den Boxen weg.

Cultus Ferox starteten mit ein paar sehr schnellen Stücken und das Publikum ging flott mit. Es dauerte nicht lange, da pogten die ersten Reihen. Die ersten Reihen bestanden aus der Eifel-Jugend. Der Frontmann (Namen immernoch nicht gemerkt) und Steffano (das ist der eine Riese mit nur einem Gesichtsausdruck, bei dem alles ein bissel gestellt aussieht) heizten das Publikum noch mehr an. Die Eifel-Jugend hatte schon gut vorgeglüht und war nicht mehr zu bändigen. Die äußeren Ringe schubsten die rauspogende Masse wieder und wieder entnervt zurück in ihren Hexenkessel. Irgendwann ist man daran interessiert, die Musik zu hören und die Band zu sehen. Dann steht man in den äußeren Ringen und schubst Kiddies zurück in die Kiddie-Pogo-Hölle. Daran merkt man, das man älter wird.

Ein weiteres Wort zu pogenden Kiddies. Das sind die Art von Leuten, die zu jedem Scheiß total abgehen müssen, sei es Tocotronic, Bap oder Sportfreunde Stiller. Das ist auf der Rheinkultur auch jedes Jahr dasselbe. MTV zeigt den Kiddies einen Bericht von Wacken (gut, bei Wacken hat man ja auch echt kein anderes Ziel. Da bezahlt man eben 100 Euro für 3 Tage moshen und pogen) und die müssen zu jedem unrhythmischen Krautrockscheiß abgehen wie Schmidts Katze, wohingegen andere nur das Konzert sehen wollen. Klar, dass es da zu Konflikten kommt. Sehr deutlich ist auch, dass die Eifel-Jugend noch nie in der Grpßstadt (=Bonn, hähä!) war, um sich vernünftige Mosh-Posen abzuschauen.

In Bonn ist das ganz dogmatisch. Man stellt sich breitbeinig hin, geht leicht in die Knie. Stützt auf selbigen die Hände ab, Männers stützen Ellenbogen ab, um “tiefer” zu kommen [gacker], und dann schaukelt man die Perücke. Die Eifelkinder schütteln auch ihr Haar, aber sehr unberechenbar. Bei ausgewachsenen Metallern weiß man, welchen Abstand man halten muß. Aber die Kleenen sind einfach zu unkontrolliert. Man ist die ganze Zeit so damit beschäftigt, die Kinder aggressiv wegzuschubsen (weil die noch aggressiver rausgehuscht kommen, und weder Arme noch Beine noch Haare unter Kontrolle haben), dass man nischt vom Konzert hat und schon gar nicht zum Tanzen kommt. Weil man entweder schweißige Kinderhaare in der Fresse hat oder ein Monsternietenarmband (stand in der Bravo, dass der neue Punk-Look cool ist) im Bauch. Die wissen einfach noch nicht, was Anstand auf nem Konzert bedeutet. ;) Und außerdem riecht Kinderschweiß immer so süß! Bah!

Zurück zur Band. Die Eifeljugend bot dem Sänger hartes Gesöff an und der bediente sich natürlich. Es ging weiter, dummerweise hab ich mir mal wieder nicht alle Titel gemerkt. Als der Saal kochte und dampfte, kamen ein paar Balladen. Die Bernsteinhexe wurde gespielt, relativ spät auch die Wolfsballade. Dabei wurde das Publikum immer mit einbezogen, durfte mit ins Mikro grölen und wurde hervorragend animiert. Als Steffano zur Animation aufgefordert wurde, begann er mit “Ich sag vor, ihr sagt nach!”. Ich fühlte mich stark an Senna von Monrose erinnert: “Ich sag Pop, ihr sagt Stars! Pop- Stars! Pop-Stars!” Die Eifel machte dennoch mit und nach Heyhey, Hoho, Heyheyho, Heyhey-AH und ein paar Kastratenquietschern war das Animationsintermezzo auch schon vorbei. Es wurden noch mehr Tänze gespielt, das Lied Chaos (hey, ein Lied über mein Leben!), ein Lied über die Heimat, über Meer und Sehnsucht.

Der Band wurde erneut ein Schluck Drachenblut (oder so etwas in der Art) – rotes Gesöff – angeboten. Schwacher, nicht überzeugender Protest: “Ick vergess ja den Text, ihr seidja farrückt!” und trotzdem ein großer Schluck. Diesmal ging die Flasche durch die ganze Band und ob noch etwas drin war, als sie zum Besitzer zurückkam, ist fraglich.

Sie spielten und spielten. Die zwischenzeitlichen Liedansagen waren gewürzt mit ein paar Witzchen über Paarfinden auf dem Zeltplatz und die Küsse der Anwesenden (“Mit Zungenschlag! Uiuiui!”). Die beiden Tänzerinnen Romaneska und Ivanuschka bezauberten mit ihrem Hüftschwung, den Feuerspielereien und den Schleiertänzen. Das einzige Lied, was mir nicht gefallen hat, war so eins ala “Oooohooohohooo wie häf tu go tu espanjoll” oder so. Das war ziemlich peinlich. Platter Text, platte Melodie. Fast in Tote-Hosen-Manier. Aber solang das nur ein Lied ist und nicht zur Regel wird, ist es zu verkraften.

Es wurden auch Damenhöschen um die Mikros gewickelt. Ich hab aber leider nicht gesehen, ob die Band das aus ihren eigenen Taschen hergezaubert hat, um ihr Image aufrecht zu erhalten, oder ob die tatsächlich auf die Bühne geworfen wurden.

Nachdem sich die Band schon ziemlich verausgabt hatte, wurde eine kurze Pause angekündigt. Der Saal leerte sich und irgendwie verpassten alle, wenigstens der Höflichkeit halber mal “Zugabe” zu brüllen. Die Band kam trotzdem noch mal auf die Bühne und spielte weiter.
Das Lied “Der weibliche Orgasmus” wurde angekündigt – das ist echt ein arg beknackter Titel, wie der Sänger auch schon ganz richtig bemerkt hat. Die Mädels wurden aufgefordert, ordentlich die Hüften zu schwingen und die Jungens sollten auch ein wenig mitmachen. Die Bemerkungen wurden anzüglicher, Kommentar von Jonny: “Mein Gott, das sind doch noch Kinder!” [*grinsel*]

Als sich alle Mitspieler der Band auf der Bühne aufstellten und gemeinsam aufspielten, nahte der letzte Tanz. Da war der Bassist, ein riesen Schrank mit Augenklappe. Der Stand anfangs nur stocksteif da und zuckte manchmal etwas, so dass man schon Seltsames mutmaßte. Aber der hat Bärenpranken und spielt wie ein Gott! Bassisten sind eh die Besten. Dann war da noch der Schlagzeuger (Namen auch nicht mitgekriegt), Steffano mit seinen Dudelsäcken, Pan Peter auch mit Dudelsäcken, Strahli mit einem Einschußloch aufm Kopp und einer Trommel. Dann noch Donar von Avignon mit einer großen Trommel – und von dem man das ganze Konzert über ziemlich wenig gesehen hat. Der Sänger Brandanarius und heilig (oder so), noch ein Typ mit Sackpfeife und ner abgefahrenen Sirene (der diesmal etwas salzsäulig war im Vergleich zum letzten Konzert) und zwei Gitarristen, die bei der Bandvorstellung um die Wette spielten. Am meisten mit dem Publikum hat (logischerweise) der Sänger interagiert. Dann war noch Steffano sehr präsent und Strahli. Die andern beiden Pfeifenspieler kamen auch ab und zu vor – von den anderen hat man leider kaum etwas mitbekommen. Mal davon abgesehen, dass sie viel Krach gemacht haben – ziemlich guten Krach! Nicht zu vergessen die beiden Grazien. Romaneska, die wahnsinnig gut tanzen kann (und sehr durchtrainiert aussieht – wie eine Tänzerin eben) und Ivanuschka, die auch gesungen hat.

Zum Showdown wurden noch mal alle Instrumente getriezt und der satte Sound, der mich schon am Anfang den Konzerts überrascht hatte, kam nochmal richtig zum tragen. Dann war tschüß, aus und vorbei.

Der Saal leerte sich und wir tranken noch ein Bierchen. Die Spielleute mischten sich unters Volk, wie das so üblich ist. Meine Ohren haben nur noch gefiept. Heute morgen hat es immer noch gerauscht.

Aber das war es mir Wert :)

Kommentare

  1. So, Schatz, da Du mir nicht sagen willst, wie der Typ von CF heisst, den Du so begeierst, schnapp ich Dir jetzt Muttis Stolz weg. Ich bin schliesslich an der Heimatfront und habe vollen Zugriff… Wir kriegen sie ale!!!

    Trackback by Morne 12. August 2008 14:36

  2. KLOL

    Trackback by Gahi 12. August 2008 14:38

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