Studienbeiträge
Ich bin gerade etwas aufgebracht. So geht es mir öfter, wenn es um studentische Angelegenheiten geht. Es geht um die viel beschworenen Studiengebühren, äh, Studienbeiträge. Letzterer Begriff wird von der Universität bevorzugt gebraucht, weil der nicht so nach sozialer Ungerechtigkeit klingt.
Die Studienbeiträge belaufen sich bei der Uni Bonn auf 500 Euro. Das ist der Maximalbetrag, der von den Unis erhoben werden kann und mit dem Beschluss, in NRW Studienbeiträge einzunehmen, ließ die Uni Bonn synchron verlauten, dass sie das volle Maß des gesetzlichen Rahmens, also besagte 500 Euro, ausschöpfen bzw. abschröpfen will. Mit den “Sozialbeiträgen” (besonders blumig formuliert, ich bin begeistert!), belaufen sich die Kosten für ein Semester an der Uni Bonn auf 660 Euro. Dieser Betrag deckt reichlich reichlich die Kaltmiete für drei Monate in unserer WG ab und ist auch zu zahlen, wenn man überhaupt keine Lehrveranstaltung mehr in Anspruch nimmt.
Ich habe meine letzte Lehrveranstaltung im Februar 2007 beendet. Seitdem habe ich an meinem Diplom gearbeitet, keinerlei Betreuung oder Geräte in Anspruch genommen und durfte trotzdem weiter zahlen. Die Geräte, die ich für die Durchführung meiner Diplomarbeit benötigte, musste ich mir komplett selbst anschaffen, was meine gesamten Ersparnisse und Verdienste während der Arbeit aufgefressen hat. Der Rechner und die Software, die das Institut mir zur Auswertung der Daten zur Verfügung stellen wollte, stand knapp 4 Monate vor der Abgabe der Arbeit im Büro. Das ist ein bißchen knapp, wenn man bedenkt, dass man auch Zeit zum Schreiben braucht und 1000 Euronen für die Durchführung der Arbeit gelatzt werden. Von mir.
Nachdem ich im SS 2008 meine Prüfungen ablegen und mitten im Semester mein Studium abschließen werde, interessiert mich natürlich, ob ich auch dafür noch einmal die gar nicht sozial ungerechten Studienbeiträge zahlen muss. Ich muss, natürlich. Warum auch nicht? Es gibt keine Befreiung für Studierende, die keinerlei Uniressourcen mehr in Anspruch nehmen und keinerlei Rückerstattung eines Teils der Gebühren, wenn man während des laufenden Semesters sein Zeugnis in der Hand hält. Jedes angebrochene Semester wird bezahlt. Ich vermute, dafür gehen alle Marketingstrategen vor dem Dekan auf die Knie. Wo es doch normalerweise üblich ist – bei Telefonverträgen z.B. – nur die in Anspruch genommene Leistung zu bezahlen. Für alles andere hat man eine Kündigungsfrist. Nur nicht bei der Uni.
Ich sollte mich glücklich schätzen, die nachfolgenden Semester mit meinen 1500 ohne Gegenleistung bezahlten Euronen zu unterstützen. Tut nichts zur Sache, dass ein Viertel der Beiträge auf “fakultätsübergreifende Maßnahmen verwendet” wird, also auf irgendwelchen übergeordneten Verwaltungsebenen hängenbleibt. Ein weiterer Teil geht, nach Aufschlüsselung des Akadem. Direktors der Geographie direkt zurück an die NRW-Bank, die “Bildungsdarlehen” (zu einem Zinssatz von stolzen 6%)) finanziert. Ein schöner Geldkreislauf, wir sind schon verdammt nah dran an Liechtenstein.
Drei Viertel der Beiträge werden angeblich in die “Verbesserung der Lehre in den Fächern und Fakultäten” gesteckt. Deswegen sind wahrscheinlich seit Einführung der Studienbeiträge Lehrveranstaltungen im Fachbereich Biologie gekürzt worden, allen voran die Exkursionen.
Aber darüber hinaus hat sich die Uni Bonn noch eine weitere ganz feine Geldeinnahmequelle geschaffen: Studierende aus dem europäischen Ausland zahlen zusätzlich zu Studienbeitrag und Sozialbeitrag einen “Betreuungsbetrag” von 150 Euro pro Semester, natürlich ohne betreut zu werden. Aber damit nicht genug. Studierende aus dem europäischen Ausland müssen außerdem 50 Euro “Auswahlgebühr” bezahlen, wenn sie ein Studium an der Uni Bonn beginnen wollen. Was für ein wunderschönes Beispiel dafür, wie wirksam latenter Rassismus sein kann.
Aber auch der Sozialbeitrag hat eine Entwicklung hinter sich, vor der ich hochachtungsvoll den Hut ziehe:
Als ich angefangen habe zu studieren, das war im Jahr 2002, wurden für den Sozialbeitrag 105 Euro veranschlagt. Bei der ersten Erhöhung im folgenden Jahr wurde diese Erhöhung noch begründet.
Mittlerweile beläuft sich der Sozialbeitrag auf 160 Euro, ohne Begründung. Begleitend dazu hat sich der
Preis für das Mensaessen seitdem um 50ct/Essen erhöht, da “Die Situation auf dem Weltmarkt [...] so angespannt [ist], dass sich die Preise für verschiedenen Rohstoffe bis nach Bonn bemerkbar machen.” (studentenwerk bonn). Aha, verstehe. Das ist durchaus nachvollziehbar, bei der überregional bekannten Qualität des Luxusessens in der Mensa.
Wegen dem Weltmarkt wurde dann auch in der Pop-Mensa eine völlig sinnfreie Wand gebaut, um die Massen zu lenken, falls sie den Treppenaufgang zum Essen nicht finden.
Aber jetzt gelang der Uni Bonn tatsächlich noch ein weiterer Coup. Die Einführung des NRW-Tickets ermöglicht nicht nur den Studenten das Nutzen des Regionalverkehrs in ganz NRW, sondern auch eine erneute Erhöhung des Sozialbeitrages. Bis zum WS 09/10 sind das um die 40 Euro, danach wird der Preis vermutlich ziemlich kräftig angezogen, wegen Benzinpreisen, Strompreisen und natürlich dem Weltmarkt. Mindestens 30% der Studierenden hätten sich bei der Urabstimmung positiv für das Ticket und die zusätzlichen Kosten aussprechen müssen. Diese 30% entsprachen gerade mal der Wahlbeteiligung und von den abgegebenen Stimmen waren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht 100% für das Ticket. Macht nix, das Ticket kommt trotzdem. Und da nicht alle Studierenden in NRW rumgondeln oder nach Hause fahren und es für diese demnach rausgeschmissenes Geld ist, machen wir das doch gleich für alle Studierenden obligatorisch. Ich würd zu gern wissen, welche Summe die Uni für diesen Deal mit den Verkehrsbetrieben kassiert hat.
Das heißt, dass sich der Beitrag für ein Semesterbeitrag für das WS 08/09 auf 700 Euro beläuft. Ein Betrag, der auch die Warmmiete während einer 3monatigen Wohnzeit in unserer WG abdeckt.
Applaus!

Immer musst Du Dich beschweren. Von Deinen Gebühren werden schliesslich neue Fahrradständer bezahlt, neue Brillen für die Profs, hübsche Kunst am Bau, Rolläden und Sitzkissen für den Hörsaal für die, die auf dem Boden sitzen müssen. Watt willst Du noch, Du Gierschlund? Dass sie die Pappteller in der Mensa endlich mal auswechseln?!
Trackback by Morne 12. August 2008 14:33