Mekkaekke 

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Der Beweis…

Bloged in Allgemein von Gahi Montag Mai 25, 2009

Die Theorie der ökologische Unschärferelation hat sich in den letzten Tagen mehr als bestätigt. Ich bin jeden Tag draußen und habe einiges gefunden, was andere verzweifelt suchen. Aber kein einziges Baumpiepernest, nach zwei Wochen Suche.

Ich bin jeden Tag mehrere Stunden draußen und bekomme so einiges zu sehen. Ich möchte eine kleine Liste machen von dem, was ich/wir statt Baumpiepernestern gefunden haben:

Säuger

  1. sehr viele Wildschweine, die im Idealfall spätestens nach einem Ruf “Schweinibus Verschwindibus!” und dreimaligem Klatschen verschwinden.
  2. eine Wildschwein-Totgeburt (!)
  3. Füchse
  4. viele Kaninchen und Feldhasen
  5. Rehböcke und Ricken
  6. das Nest einer Maus

Amphibien

  1. viele Grasfrösche
  2. Teichmolche (!)

“Reptilien”

  1. Sehr viele Zauneidechsen
  2. Waldeidechsen
  3. Blindschleichen
  4. Ringelnatter

Vögel

  1. Beim Waldschnepfen-Fang: 1 aggressiver Ziegenmelker (!), der fast ins Netz gegangen wär
  2. ein Insekten jagender Baumfalke (!)
  3. viele Schwarzkehlchen mit vielen Jungtieren
  4. ein ruffreudiger Schwarzspecht
  5. fütternde Heidelerchen

Außerdem hatten wir noch viele, viele Insekten, vor allem sehr schöne Libellenarten (Königslibelle, Plattbauch, Blaupfeil, gebänderte Prachtlibelle, eine Exuvie…). Ich hoffe, ich kann die Liste bald um ein paar Baumpiepernester und Jungtiere erweitern…

Die Ökologische Unschärferelation | Ecological Uncertainty Principle

Bloged in Allgemein von Gahi Dienstag Mai 19, 2009

Es ist Zeit, die Ökologische Unschärferelation zu definieren und beschreiben. Gleichbedeutend kann der Begriff Hauptparadoxon der Ökologie (Grand Paradox of Ecology) verwendet werden. Ich definiere dieses Naturgesetz wie folgt:

Das gleichzeitige Suchen und Finden eines ökologischen Interessenobjektes ist unmöglich. (Zwei Messgrößen eines Teilchens sind nicht immer gleichzeitig beliebig genau bestimmbar).

Als Beispiel sei folgende Situation angeführt. Zur Zeit der größten Brutaktivität sucht man mit 4 motivierten, eingearbeiteten Leuten Nester in Baumpieperrevieren, die exakt bekannt sind. Was niemand finden wird, sind Nester des Baumpiepers. Was man stattdessen finden wird, sind Nester von Organismen, die nicht von Interesse sind, wie z.B. Mäusen. Diese werden allen Bearbeitern unabhängig voneinander auffallen. Außerdem wird man etliche Eidechsen, Schmetterlingslarven, seltene Libellen und andere außergewöhnlich große und seltene Insekten finden. Geht man allerdings in dergleichen Jahreszeit hinaus, um Insekten zu bestimmen oder Eidechsen zu fotografieren, wird man diese niemals finden.

In seinen Folgen ähnelt die Ökologische Unschärferelation damit Murphys Law:  „Whatever can go wrong, will go wrong.“ bzw. „If there’s more than one possible outcome of a job or task, and one of those outcomes will result in disaster or an undesirable consequence, then somebody will do it that way.“

Als weiteres Beispiel sei das Suchen von Feldhamsterbauten angeführt. Führt man mit 10 Feldassistenten eine systematische Suche auf Feldern vor, auf denen Feldhamstervorkommen bekannt sind, wird man keinen Bau finden. Muss man wegen eines Platzregens schnell über das Feld zum Auto flüchten, werden 7 von 10 Helfern in eine 1.50m tiefe Fallröhre eines Feldhamsters treten, wobei sich zwei den Arm brechen werden, vier ein Bein und einer das Genick.

Das Königsbeispiel ist der Vogelfang: Gehst Du mit einer motivierten Gruppe Freiwilliger Abend für Abend hinaus, stellst ein Netz auf und versuchst Waldschnepfen zu fangen, so wird auch beim 10. Versuch noch kein Vogel im Netz gelandet sein. Alle Bemühungen, den Vogel zu fangen, wie das Anlocken mit Klangattrappe, das Blenden mit Licht oder das Vorgaukeln eines Weibchens mit einem Kinderball, wird die Chance, einen Vogel zu fangen schmälern statt steigern. Wenn Du allerdings ausversehen die Klangattrappe fallen lässt, weil Du Dir den Schuh zubinden musst, keine Hand frei hast für eine Taschenlampe oder einen Ball, so wird eine Waldschnepfe um die Ecke biegen und im Netz landen. Sie wird auf einer Flugbahn kommen, die sie nie genommen hat und nie wieder nehmen wird und in einer Höhe fliegen, die absolut untypisch ist. Sobald Du den Blick darauf wirfst und zum Netz springst, um sie zu befreien, wird sie sich freistrampeln und Du wirst an den nächsten 20 Abenden keinen Vogel näher als 300m an Dich herankommen sehen.

Analog wird Dir kein Vogel Deines Begehrs in Dein Netz fliegen, wenn Du es an beliebiger Stelle aufstellst, mit der Intention, Vögel zu fangen. Spannst Du es allerdings einmal zu vollkommen ungünstiger Zeit an der unwahrscheinlichsten Stelle auf, um es zu säubern, zu ordnen oder zu flicken, wird ein Schwarm von 50 Staren herbeikommen und sich dort so verfitzen, dass Du nicht nur Dein gesamtes Netz zerschneiden und wegwerfen musst, sondern auch 30 Vögel sterben, weil du allein nicht alle so schnell befreien kannst und es einfach zu unwahrscheinlich war, dass Du überhaupt einen Vogel zu Gesicht bekommst.

Auch in anderen Bereichen der Wissenschaft ist dieses Phänomen nicht unbekannt, so z.B. als “Finagles Informationsgesetz”:

  1. Die Information, die du hast, ist nicht die Information, die du willst.
  2. Die Information, die du willst, ist nicht die Information, die du brauchst.
  3. Die Information, die du brauchst ist für dich nicht erreichbar.
  4. Du kannst diese Information zu einem höheren Preis bekommen, als du zu zahlen bereit bist.

Beispiel: Ich kann auf alle Artikel des Journals der Britischen Ornithologengesellschaft, Ibis, zugreifen. Außer auf die letzte Ausgabe, die eine Publikation über den Bruterfolg des Baumpiepers in Abhängigkeit von verschiedenen Habitaten enthält, was inhaltlich meiner derzeitigen Studie entsprechen würde, gäbe es die Ökologische Unschärferelation nicht. Ich könnte den Artikel sicher für 30-130 US$ erwerben. Ein Artikel, den ich unbedingt wollte und mir kopieren konnte, ist auf niederländisch, was ich nicht beherrsche – somit vollkommen unnütz für mich.

Schließlich ist Finagles Gesetz auch aus der Experimentaltheorie bekannt. Das möchte ich nicht kommentieren, sondern in seinem Wahrheits- und Weisheitsgehalt einfach wirken lassen:

  1. Wenn ein Experiment funktioniert, ist irgendetwas nicht in Ordnung.
  2. Unabhängig vom Resultat eines Experimentes wird es immer jemanden geben, der es
    1. falsch interpretiert,
    2. trickreich frisiert oder
    3. glaubt, dass es seiner Lieblingstheorie entspricht.
  3. In einer beliebigen Datensammlung ist der Fehler dort, wo die Daten ganz offensichtlich richtig sind und deshalb nicht überprüft werden müssen.
    1. Jemand, den man um Hilfe bittet, wird den Fehler auch nicht sehen.
    2. Jemand, der zufällig einen Blick darauf wirft, sieht den Fehler sofort.

Sie machen ja…!

Bloged in Allgemein von Gahi Freitag Mai 15, 2009

Heute in der Bahn kam eine ältere Dame mit diesen Worten auf mich zugestürzt. Sie rief laut: “Sie machen ja Occhi-Arbeit!!!”. Beide schauten wir absolut entgeistert. Sie, weil sie keinen mehr kennt, der das noch kann. Ich, weil sie in zwei Jahren die erste Person ist, die diese alte Technik nicht nur erkennt, sondern auch noch ihren Namen weiß. Die Frau überschlug sich fast und erzählte mir, wie selten das wär und dass das niemand mehr beherrscht und dass sie eine uralte Frau kannte, leider längst verstorben, die Occhi beherrschte und dass sie selbst es nie gelernt hat und, und und. Dann ließ sie vor aller Aufregung alle Höflichkeit fahren und rief durch die halbe Bahn ihrem Mann zu “DIE MACHT OCCHI-ARBEIT!!!”.

Noch immer nicht beruhigt, fragte sie mich, was ich machen würde. Ich holte mein altes Buch von Emmy Liebert (”Schiffchenarbeiten II”) von 1920 heraus und zeigte es ihr. Sie riss es mir aus den Händen, staunte und lobte mich. Dann wollte sie wissen, ob ich eine Ausbildung mache, aber ich verneinte. Das wäre allerdings schon naheliegend gewesen, denn es fällt nicht vielen ein, eine fast vergessene Handarbeit zu erlernen, die ihre Hochzeit zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte. Auch wenn die Ursrpünge der Schiffchenarbeit (den deutschen Ausdruck liebe ich, das italienische Occhi find ich blöd, Italienisch ist generell blöd – Französisch für (ganz, ganz) Arme) wahrscheinlich im Mittelalter liegen, hat sich diese Knüpftechnik über mehrere Jahrhunderte entwickelt, bis sie im 18. und 19. Jahrhundert zur vollen Blüte kam. Damals wurde neben den typischen Ringen noch der Bogen entdeckt, so dass kunstvolle Muster entwickelt wurden, die die drei Hauptelemente der Schiffchenarbeit verbanden: Ringe, Bogen und Picots.

Angeblich ist diese Handarbeit durch die beiden Weltkriege in Vergessenheit geraten, da die Frauen dazu angehalten wurden, ihre Zeit nicht mit “sinnlosen” Handarbeiten zu vergeuden. Denn die Schiffchenarbeit wird in erster Linie als bloßer Schmuck, als Luxus angefertigt, was sich im französischen Namen “Frivolité” widerspiegelt. Wenn sich die Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schon den Handarbeiten widmeten, so sollten sie doch bitteschön Pullover für die armen Soldaten stricken. Ich finde diese Erklärung für das Vergessen der Schiffchenarbeit etwas zu einfach, denn andere Spitzenherstellungstechniken wie das Häkeln oder Klöppeln sind auch nicht in Vergessenheit geraten.

Die Dame wurde von ihrem Mann von mir weggezogen, weil beide aussteigen mussten. Im Gehen fragte sie: “was machen Sie mit dem Beutelchen? Das behalten sie doch?! Das verschenken Sie doch hoffentlich nicht?! Das…das ist etwas Königliches!”

Ich lächelte. Etwas Königliches…ja, das finde ich auch.

Freiland-Freude

Bloged in Allgemein, Konsumhölle von Gahi Mittwoch Mai 13, 2009

Nach einem absoluten Freiland-Frust-Tag gestern, hatten wir heute bei der Nestersuche endlich Erfolg!

Gestern haben wir das Seil ausprobiert und es hat eigentlich ganz gut funktioniert, es ist sehr widerstandsfähig und wenn es sich mal verheddert, verbiegt sich eher das zusammenhaltende Metall, als dass das Seil kaputt gehen würde. Leider haben wir kaum Vögelchen aufschrecken können – möglicherweise brüten sie noch nicht. In einigen Revieren ist die Erstbrut durch den teils starken Regen sicher stark geschädigt worden. Da wir die Anstrengung, so ein langes Seil durch die Vegetation zu schleifen, ernsthaft unterschätzt hatten, waren wir am Ende des gestrigen Tages unglaublich platt – oder wie der Ökologe zu sagen pflegt: “waldmatt”. Noch dazu hatten wir trotz all der Anstregung kein Weibchen zu Gesicht bekommen und waren dementsprechend frustriert.

Heute morgen trafen wir uns jedoch in aller Frische, waren motiviert und legten los. Das Seil ließen wir diesmal in den Packtaschen und nahmen stattdessen nur Ferngläser und Teleskop-Wanderstäbe mit. Wir verlegten uns auf’s Männchen beobachten. Das war teilweise auch recht erfolgreich, da sie sich gut von meinem Handyklingelton (ein Baumpieper-Gesang, natürlich!) provozieren ließen. Nachdem das erste Männchen sich standhaft weigerte, zu seinem Weibchen zu fliegen und uns damit einen Hinweis auf den Neststandort zu geben, gingen wir zum nächsten Revier.

Dort flog das Männchen laut singend zwischen 2-3 Singwarten umher. Neben der Hauptsingwarte sah die Bodenvegetation vielversprechend aus, so dass wir das Stück zweimal mit unseren Teleskopstöcken durchsuchten. Zum einen “drehten” wir die Vegetation richtiggehend um, zum anderen stießen wir weiter entfernt liegende Büsche kurz an, um ein möglicherweise brütendes Weibchen aufzuschrecken.

Tatsächlich flog direkt vor mir ein kleiner brauner Vogel auf und wir begannen, die Krautschicht intensiv zu durchsuchen – nichts. Wir wollten gerade aufgeben, da fiel mein Blick auf eine angefressene Calluna-Heide. Darunter: ein verlassenes Baumpieper-Nest. Da im Geisterbusch extensiv beweidet wird, war in dieser Nacht wohl die Ziegenherde im Baumpieperrevier unterwegs. Die Kotspuren direkt neben der Heide waren frisch und es war absolut eindeutig, dass das Vieh die Dachvegetation des Nestes aufgegessen hatte. Da Baumpieper bei der Brut sehr heimlich sind und ihr Nest zum Schutz vor Prädatoren gut unter Heide oder Bultengräsern verstecken, wurde das Nest ohne Sichtschutz nach oben verlassen.

Es liegt nur 6.50m von der Hauptsingwarte entfernt, der Nesteingang zeigt genau auf den Waldrand. Der Außendurchmesser beträgt 12-13cm, der Innendurchmesser 8cm. Das Weibchen hat für den Bau trockenes feines und grobes Gras verwendet. Am Nestgrund war etwas Moos zu erkennen, außerdem befanden sich alte Blätter von einer Birke und von Adlerfarn im Nest.

Hoffentlich macht das Paar eine Ersatzbrut. Da das Weibchen sich noch im Revier aufhielt, werden wir im Laufe der nächsten Woche noch einmal schauen, ob in der Nähe des verlassenen Nestes ein neues gebaut wird.

Der Ökologen Arbeit oder: motiviert statt reich

Bloged in Allgemein von Gahi Sonntag Mai 10, 2009

In diesem Frühjahr führe ich eine Studie zur Brutbiologie des Baumpiepers in der Wahner Heide durch. Ich hab drei motivierte Praktikantinnen und einen motivierten Professor, der ihnen Scheine für die Arbeit bei mir ausstellen wird. Das ist ein guter Deal, denn die Mädels erledigen ein Teil meiner Arbeit, müssen auf mich hören und bekommen dafür 1/7 ihres Hauptstudiums – quasi geschenkt.

Für die Untersuchungen im Feld braucht man allerhand Ausrüstung, denn es reicht nicht, den Baumpieper regelmäßig anzuschauen, sondern ich will auch wissen, wo seine Nester sind, wie die Struktur des Habitats aussieht und wie das alles miteinander zusammenhängt. Die Methoden dafür werden von Ökologen in Methodenhandbücher geschrieben, was meist einigermaßen putzig ist, weil hoch idealisiert. Man liest in diesen Büchern von 30m langen Spannschnüren und findet Abbildungen von 16m hohen Meßlatten, die neben Bäumen stehen. Wer ein paar mal in einem Wald oder Heidegebiet spazieren war, kann sich etwa vorstellen, dass die Schnur nicht zu spannen ist, weil im Zickzack-Kurs Bäume vor einem auftauchen. Und wie man eine 16m Latte, die stabil genug ist, dass sie gerade stehen bleibt, transportiert und (!) in einem Wald (!) aufstellt, hat sich mir noch nicht erschlossen.

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