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Jack Wolfskin nimmt die Pfoten weg

Blogged in Allgemein,Konsumhölle by Gahi Sonntag Oktober 18, 2009

Beim Stöbern auf Dawanda habe ich durch Zufall kleine Buttons gefunden, die als Solidaritätsbekundung und zum Sammeln von Spenden für Abmahnopfer auf Dawanda eingestellt waren. Beim Durchlesen des zugehörigen Forumsartikels war ich zugegebenermaßen mehr als geschockt:

Abmahner diesmal ist Jack Wolfskin. Ja, genau, dieser Hersteller von Outdoor-Klamotten, der ein besonders naturverbundenes, altlinkes, liberales Image pflegt und zum Marktführer aufstieg, so dass jeder zweite Bürohengst in der Großstadt mittlerweile Outdoor-Klamotten trägt, weil man ja auf dem 5minütigem Weg zur Straßenbahn oder dem Auto bei Regen tatsächlich nass werden könnte. Die eifrigen Anwälte dieses Konzerns setzen nun alles daran, dieses mühevoll aufgebaute Image zu zerstören.

Einige Shopbetreiber wurden Anfang Oktober wegen eines Schreibens der Anwälte von JW von Dawanda aufgefordert, sämtliche Artikel, auf denen Tatzen und Pfoten zu sehen sind, aus dem Angebot zu nehmen. Dawanda beendete automatisch die von JW ins Auge gefassten Artikel, um Schlimmerem vorzubeugen. Das hat allerdings nicht viel gebracht, denn kurze Zeit später flatterten Abmahnungen in den Briefkasten der Shopbetreiber. Sie hatten Stoffe, auf die Pfoten gedruckt waren, weiterverarbeitet und da JW das Markenrecht einer Wolfstatze auf Textilien (und auf so ziemlich allen anderen Materialien außer Süßigkeiten (da war Katjes schneller)) hält, hatten sie angeblich die Markenrechte verletzt. Die Tatzen auf den Dawanda-Produkten ähnelten der JW-Tatze überhaupt nicht. Es handelte sich um Hunde-, Katzen- oder Bärentatzen, z.T. auch ohne Krallen.

Der aufbrandende Ärger ist verständlich: Warum werden User einer Bastel/Nähplattform zur Rechenschaft gezogen und nicht etwa die Hersteller der Stoffe, Aufnäher, Applikationen oder Buttons? Die Betroffenen geben an, stehts darauf geachtet zu haben, keine Markenrechte zu verletzen. Beim Stoffkauf wurde geprüft, ob der Stoffdesigner das Weiterverarbeiten und den Weiterverkauf gestattet und so fühlten sie sich auf der sicheren Seite. Nur sind kleine Shopbetreiber natürlich willkommenere – da wehrlosere – Opfer als große Betriebe, die so einen irrwitzigen Rechtsstreit wirklich bis zur letzten Instanz ausfechten könnten.

Vor Augen führen muss man sich vor allem die Größenordnung des “Schadens”, der JW durch die Verwendung von Pfoten zugeführt worden sein soll. Die Kollegin, die die erste Abmahnung bekam, hatte zwei Taschenspiegel mit einem Tatzenstoff bezogen und verkauft. Für 3.90 das Stück. Die eingenommenen 7.80 stehen der Forderung von JW gegenüber: Zu zahlen sind 991 Euro.


Mehr dazu hier.

Kommentare

  1. Ich find das grauenhaft – vor allem, wenn man schon bedruckte Stoffe weiterverarbeitet. Und – woran ich nie gedacht hätte – auch noch darauf achtet, dass die Stoffe die Lizenz zum Weiterverkauf mitbringen (wusste nicht einmal, dass es das gibt).

    Ich hoffe ja so sehr darauf, dass sich die Macht der Mund-zu-Mund-Propaganda in diesem und anderen Abmahnfällen bald über die der Abmahnkonzerne erhebt und selbst der letzte Sesselfurzer mitbekommt, dass der Marketingschaden solcher Aktionen zu den Entschädigungsleistungen in einem ähnlich schwachsinnigen Verhältnis steht wie 991 zu 7,80 Euro.

    Oh – von von Dawanda bin ich auch enttäuscht. Brav aus dem Weg gehen, und sich auf keine der vielen erdenklichen Arten vor seine Community stellen.

    Trackback by Ganayan 19. Oktober 2009 06:42

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