Die Ökologische Unschärferelation | Ecological Uncertainty Principle
Es ist Zeit, die Ökologische Unschärferelation zu definieren und beschreiben. Gleichbedeutend kann der Begriff Hauptparadoxon der Ökologie (Grand Paradox of Ecology) verwendet werden. Ich definiere dieses Naturgesetz wie folgt:
Das gleichzeitige Suchen und Finden eines ökologischen Interessenobjektes ist unmöglich. (Zwei Messgrößen eines Teilchens sind nicht immer gleichzeitig beliebig genau bestimmbar).
Als Beispiel sei folgende Situation angeführt. Zur Zeit der größten Brutaktivität sucht man mit 4 motivierten, eingearbeiteten Leuten Nester in Baumpieperrevieren, die exakt bekannt sind. Was niemand finden wird, sind Nester des Baumpiepers. Was man stattdessen finden wird, sind Nester von Organismen, die nicht von Interesse sind, wie z.B. Mäusen. Diese werden allen Bearbeitern unabhängig voneinander auffallen. Außerdem wird man etliche Eidechsen, Schmetterlingslarven, seltene Libellen und andere außergewöhnlich große und seltene Insekten finden. Geht man allerdings in dergleichen Jahreszeit hinaus, um Insekten zu bestimmen oder Eidechsen zu fotografieren, wird man diese niemals finden.
In seinen Folgen ähnelt die Ökologische Unschärferelation damit Murphys Law: „Whatever can go wrong, will go wrong.“ bzw. „If there’s more than one possible outcome of a job or task, and one of those outcomes will result in disaster or an undesirable consequence, then somebody will do it that way.“
Als weiteres Beispiel sei das Suchen von Feldhamsterbauten angeführt. Führt man mit 10 Feldassistenten eine systematische Suche auf Feldern vor, auf denen Feldhamstervorkommen bekannt sind, wird man keinen Bau finden. Muss man wegen eines Platzregens schnell über das Feld zum Auto flüchten, werden 7 von 10 Helfern in eine 1.50m tiefe Fallröhre eines Feldhamsters treten, wobei sich zwei den Arm brechen werden, vier ein Bein und einer das Genick.
Das Königsbeispiel ist der Vogelfang: Gehst Du mit einer motivierten Gruppe Freiwilliger Abend für Abend hinaus, stellst ein Netz auf und versuchst Waldschnepfen zu fangen, so wird auch beim 10. Versuch noch kein Vogel im Netz gelandet sein. Alle Bemühungen, den Vogel zu fangen, wie das Anlocken mit Klangattrappe, das Blenden mit Licht oder das Vorgaukeln eines Weibchens mit einem Kinderball, wird die Chance, einen Vogel zu fangen schmälern statt steigern. Wenn Du allerdings ausversehen die Klangattrappe fallen lässt, weil Du Dir den Schuh zubinden musst, keine Hand frei hast für eine Taschenlampe oder einen Ball, so wird eine Waldschnepfe um die Ecke biegen und im Netz landen. Sie wird auf einer Flugbahn kommen, die sie nie genommen hat und nie wieder nehmen wird und in einer Höhe fliegen, die absolut untypisch ist. Sobald Du den Blick darauf wirfst und zum Netz springst, um sie zu befreien, wird sie sich freistrampeln und Du wirst an den nächsten 20 Abenden keinen Vogel näher als 300m an Dich herankommen sehen.
Analog wird Dir kein Vogel Deines Begehrs in Dein Netz fliegen, wenn Du es an beliebiger Stelle aufstellst, mit der Intention, Vögel zu fangen. Spannst Du es allerdings einmal zu vollkommen ungünstiger Zeit an der unwahrscheinlichsten Stelle auf, um es zu säubern, zu ordnen oder zu flicken, wird ein Schwarm von 50 Staren herbeikommen und sich dort so verfitzen, dass Du nicht nur Dein gesamtes Netz zerschneiden und wegwerfen musst, sondern auch 30 Vögel sterben, weil du allein nicht alle so schnell befreien kannst und es einfach zu unwahrscheinlich war, dass Du überhaupt einen Vogel zu Gesicht bekommst.
Auch in anderen Bereichen der Wissenschaft ist dieses Phänomen nicht unbekannt, so z.B. als “Finagles Informationsgesetz”:
- Die Information, die du hast, ist nicht die Information, die du willst.
- Die Information, die du willst, ist nicht die Information, die du brauchst.
- Die Information, die du brauchst ist für dich nicht erreichbar.
- Du kannst diese Information zu einem höheren Preis bekommen, als du zu zahlen bereit bist.
Beispiel: Ich kann auf alle Artikel des Journals der Britischen Ornithologengesellschaft, Ibis, zugreifen. Außer auf die letzte Ausgabe, die eine Publikation über den Bruterfolg des Baumpiepers in Abhängigkeit von verschiedenen Habitaten enthält, was inhaltlich meiner derzeitigen Studie entsprechen würde, gäbe es die Ökologische Unschärferelation nicht. Ich könnte den Artikel sicher für 30-130 US$ erwerben. Ein Artikel, den ich unbedingt wollte und mir kopieren konnte, ist auf niederländisch, was ich nicht beherrsche – somit vollkommen unnütz für mich.
Schließlich ist Finagles Gesetz auch aus der Experimentaltheorie bekannt. Das möchte ich nicht kommentieren, sondern in seinem Wahrheits- und Weisheitsgehalt einfach wirken lassen:
- Wenn ein Experiment funktioniert, ist irgendetwas nicht in Ordnung.
- Unabhängig vom Resultat eines Experimentes wird es immer jemanden geben, der es
- falsch interpretiert,
- trickreich frisiert oder
- glaubt, dass es seiner Lieblingstheorie entspricht.
- In einer beliebigen Datensammlung ist der Fehler dort, wo die Daten ganz offensichtlich richtig sind und deshalb nicht überprüft werden müssen.
- Jemand, den man um Hilfe bittet, wird den Fehler auch nicht sehen.
- Jemand, der zufällig einen Blick darauf wirft, sieht den Fehler sofort.

Sie riss es mir aus den Händen, staunte und lobte mich. Dann wollte sie wissen, ob ich eine Ausbildung mache, aber ich verneinte. Das wäre allerdings schon naheliegend gewesen, denn es fällt nicht vielen ein, eine fast vergessene Handarbeit zu erlernen, die ihre Hochzeit zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte. Auch wenn die Ursrpünge der Schiffchenarbeit (den deutschen Ausdruck liebe ich, das italienische Occhi find ich blöd, Italienisch ist generell blöd – Französisch für (ganz, ganz) Arme) wahrscheinlich im Mittelalter liegen, hat sich diese Knüpftechnik über mehrere Jahrhunderte entwickelt, bis sie im 18. und 19. Jahrhundert zur vollen Blüte kam. Damals wurde neben den typischen Ringen noch der Bogen entdeckt, so dass kunstvolle Muster entwickelt wurden, die die drei Hauptelemente der Schiffchenarbeit verbanden: Ringe, Bogen und Picots.
Dort flog das Männchen laut singend zwischen 2-3 Singwarten umher. Neben der Hauptsingwarte sah die Bodenvegetation vielversprechend aus, so dass wir das Stück zweimal mit unseren Teleskopstöcken durchsuchten. Zum einen “drehten” wir die Vegetation richtiggehend um, zum anderen stießen wir weiter entfernt liegende Büsche kurz an, um ein möglicherweise brütendes Weibchen aufzuschrecken.

